Ein Königreich im Austausch
Seit 1372 sind tributäre Gesandtschaften des Königreichs Ryūkyū an den Ming-Hof belegt; 1392 siedelten sich chinesische Familien aus Fujian in Kumemura bei Naha an. 1429 wurde die Insel unter Shō Hashi vereint. Über diese Kanäle kamen Schriftkultur, Verwaltungswissen, Musik, Handwerk — und militärische wie körperliche Übungspraktiken.
Historisch belegt1372 ist kein Geburtsjahr des Karate
Das Jahr wird häufig als „Ursprung des Karate“ genannt. Belegt sind damit die diplomatischen Beziehungen zu China, nicht eine Kampfkunst. Zwischen dem Beginn des Austauschs und den frühesten rekonstruierbaren Lehrlinien liegen rund vier Jahrhunderte, über die es kaum aussagekräftige Quellen gibt.
Forschungsstand / wahrscheinlichWaffenbeschränkungen — eine umstrittene Ursprungserzählung
Nach der Invasion durch Satsuma 1609 und erneut im späteren 17. Jahrhundert gab es mehrere, zeitlich gestaffelte Beschränkungen des Waffenbesitzes — sie galten unterschiedlich für Adel, Verwaltung und Landbevölkerung. Die verbreitete Kurzformel „ein Waffenverbot erzeugte Karate“ ist in der Forschung umstritten: Die frühen Übungstraditionen sind zuerst bei der Oberschicht belegt, und die Waffen des Kobudō wurden überwiegend erst im 20. Jahrhundert als eigenes System geordnet.
Forschungsstand / wahrscheinlich- 手tī / te„Hand“ — okinawanische Bezeichnung für die einheimische Kampftechnik.
- 唐手tōdī / tōde„Hand der Tang“ — Bezeichnung für die chinesisch beeinflusste Kampfkunst.

















